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Initiative gegen Kinderunfälle.

Erhöhtes Risiko für Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern!

Verbrennungen und Verbrühungen zählen zu den häufigsten Unfallarten bei Kindern in den eigenen vier Wänden. Bereits eine verschüttete Tasse mit heißem Tee oder Kaffee kann bei Säuglingen und Kleinkindern die Haut bis zu 30 Prozent verbrühen. Gerade im Winter, wenn wärmende Getränke, heiße Bäder oder brennende Kerzen allgegenwärtig sind, steigt das Verletzungsrisiko.
Täglich elf Kinder verbrennen oder verbrühen sich laut KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) in Österreich so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Experten des KFV klären unter dem Motto „Volle Aufmerksamkeit – null Unfälle“ im Rahmen der Initiative „VISION ZERO 2020“ über Unfallursachen und effektive Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Kinderunfällen auf.

Wien, 22. Dezember 2014

Rund 4.100 Kinder unter 15 Jahren verbrennen oder verbrühen sich jährlich zu Hause, davon rund 500 alleine im Dezember und Jänner. Während bei kleineren Kindern die Unfälle vorwiegend bei der Erforschung der häuslichen Umwelt passieren – etwa durch das Heranziehen von Gefäßen mit heißen Flüssigkeiten oder das Angreifen von heißen Gegenständen – verletzen sich größere Kinder oft beim Kochen mit den Eltern oder beim Hantieren mit offenem Feuer. Die Folgen sind meist schwerwiegend, denn Kinderhaut ist um einiges dünner als Erwachsenenhaut. So wird Kinderhaut bei Kontakt mit ca. 50 Grad Celsius heißem Wasser bereits so sehr geschädigt, dass Brandblasen entstehen können. Trifft eine heiße Flüssigkeit mit 65 Grad Celsius nur eine halbe Sekunde auf Kinderhaut, kann sie sogar Verbrennungen dritten Grades verursachen.

Einfache Regeln, große Wirkung

„Die meisten Kinderunfälle passieren durch Unachtsamkeit und die Gefahren werden unterschätzt. Dabei zeigen schon einfache Sicherheitsmaßnahmen große Wirkung. Beispielsweise sollten Eltern keine heißen Flüssigkeiten tragen oder trinken, wenn sie gleichzeitig ein Kind in den Armen halten. Auch Tischtücher stellen eine potentielle Gefahrenquelle dar, weil Kleinkinder gerne daran ziehen
und sich dadurch mit heißen Flüssigkeiten verbrühen können. Beim Erwärmen von Fläschchen in der Mikrowelle ist besondere Vorsicht geboten – immer gut schütteln und die Temperatur am eigenen Handrücken testen“, rät Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Vor allem in der Küche, wo rund 60 Prozent der Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle von Kindern zu Hause passieren, können viele Verletzungen durch den Einsatz moderner Küchengeräte vermieden werden. So gibt es beispielweise bereits Backöfen mit kühler Front und Kindersicherung, außerdem Inbetriebnahme-Sperren und Verriegelungsfunktionen für Kochfelder, Herde, Geschirrspüler und Waschmaschinen. Während des Kochens verhindert ein Herdschutzgitter, dass Kleinkinder nach Herdplatten oder Töpfen greifen.

Lebensgefahr für Kleinkinder bereits durch 15 Prozent Hautverbrennung

„Verletzungen durch Verbrennungen oder Verbrühungen bedürfen einer komplizierten, schmerzhaften und langwierigen Behandlung. Oft bleiben Narben zurück“, erklärt Brandverletzungsexperte Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am LKH-Univ. Klinikum Graz. Besonders schwerwiegend und auch oft lebensbedrohlich sind Brand- und Verbrühungsverletzungen bei Kindern. „Breits der Inhalt einer halben Tasse Tee reicht aus, um bei Kleinkindern eine Verbrennung oder Verbrühung von rund 30 Prozent der Körperoberfläche zu verursachen. Dabei muss man wissen, dass bereits 15 Prozent Hautverbrennung für kleine Kinder lebensgefährlich werden können“, so Kamolz.

Erste Hilfe im Notfall


Verbrennungen und Verbrühungen sind bei Kindern unter anderem auch deshalb gefährlich, weil über die zerstörte Haut viel Flüssigkeit verloren geht und dadurch bei Kleinkindern schnell Schockgefahr besteht. Im Falle einer kleinen Verbrennung oder einer Verbrühung kann die betroffene Körperstelle unter fließendes Wasser gehalten werden, bei größeren Verletzungen – vor allem bei Kindern – gilt: Keine Zeit verlieren! So schnell wie möglich die Rettung alarmieren oder ein Krankenhaus aufsuchen, so der Brandverletzungsexperte. Grundsätzlich gilt, dass jede Verbrennung oder Verbrühung, die größer als eine Handfläche des Kindes ist, ärztlich versorgt werden sollte. „Viele Unfälle wären durch einfache Sicherheitsmaßnahmen vermeidbar! Schutzmaßnahmen wie Herdschutzgitter in der Küche und Temperaturbegrenzer im Bad sind besonders effektiv“, schließt Kamolz.

Initiative gegen Kinderunfälle
VISION ZERO 2020: Kinderunfälle sind vermeidbar!

Kein getötetes oder schwerverletztes Kind mehr in Österreich! So lautet das ehrgeizige Ziel der KFV-Initiative Vision Zero 2020. Gemäß dem Motto „Volle Aufmerksamkeit - Null Unfälle!“ wird Österreich zur kindersicheren Zone erklärt. Gezielte Informationen und spannende Aktionen sollen das Bewusstsein für den Schutz der Kleinsten in Österreich steigern und Kinderunfälle durch praktische Präventionsmaßnahmen verhindert werden.

KFV-Sicherheitstipps

  • Den Herd durch ein Herdschutzgitter abschirmen, vorzugsweise die hinteren Kochfelder verwenden und die Griffe von Töpfen und Pfannen zur Wand drehen.
  • Gefäße mit heißen Flüssigkeiten (Tassen, Becher, Suppenteller, Suppentöpfe, Inhalier-Geräte) so auf Anrichte oder Tisch stellen, dass kleine Kinder sie nicht erreichen oder herunterziehen können.
  • Besondere Vorsicht beim Tragen von Gefäßen mit heißen Flüssigkeiten, wenn kleine Kinder in der Wohnung herumtollen.
  • Die Kabel von Elektrowasserkochern, Fritteusen, Kaffeemaschinen und Bügeleisen nicht herunterhängen lassen, sondern in den hinteren Bereich der Arbeitsfläche verlegen oder aufrollen.
  • Kinder nicht alleine in der Küche lassen – Missgeschicke passieren schneller als man denkt.
  • Herabhängende Tischdecken vermeiden.
  • Temperatur des Badewassers mit Thermometer kontrollieren (maximal 37 Grad Celsius). Temperatur-Begrenzer (Thermostat) einbauen, damit Kinder den Heißwasserhahn nicht allein betätigen können. Kinder beim Baden immer beaufsichtigen.
  • In Wärmeflaschen keine Flüssigkeiten über 45 Grad Celsius füllen, und die heiße Wärmeflasche nie in direkten Kontakt mit der Haut bringen.
  • LED-Lichter statt Kerzen verwenden. Auch diese gibt es bereits in Form von Teelichtern.
  • Die Verwendung von Thermo-Tassen mit stabilen Deckeln erlaubt den Genuss von warmen Getränken, auch wenn Kinder unterwegs sind.