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Initiative gegen Kinderunfälle.

Wenn Eltern ihre Kinder gefährden:
Wie sicher sind Österreichs Kinder als Mitfahrer im Pkw?

Jahr für Jahr kommt es in Österreich zu folgenschweren Unfällen aufgrund fehlender oder falscher Sicherung von Kindern im Auto. „Den richtigen Kindersitz, für jedes Kind, bei jeder Fahrt“ lautet daher der Appell des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Rahmen der Initiative „Vision Zero 2020 – tödliche Kinderunfälle sind vermeidbar!“. Durchschnittlich drei Kinder täglich verletzen sich bei Unfällen als Mitfahrer in einem Pkw. Gezielte Informationen zu besonderen Problemsituationen, falscher Handhabung, Kauf, Montage und Verwendung von Kindersitzen zeigen Gefahren auf und praktische Expertentipps sollen in Zukunft folgenschwere Unfälle verhindern.

Wien, 27. Juni 2014

„Bei der richtigen Sicherung von Kindern in Pkws gibt es keine Kompromisse. Konsequenter Einsatz, richtige Handhabung und Vorbildfunktion sind im Straßenverkehr das Um und Auf“, appelliert Dr. Orthmar Thann, Direktor des KFV am Freitagvormittag gemeinsam mit KommR Renate Römer, Obfrau der AUVA bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Bei einem simulierten Auffahrunfall mit einem Gurtschlitten konnten Interessierte ein Gefühl für die enormen Kräfte bekommen, die bei einem Unfall auf den menschlichen Körper einwirken. Die kürzlich erhobene und erfreuliche Kindersicherungsquote von rund 95 Prozent in Österreich sehen KFV und AUVA als Appell dafür, sich als Fahrzeuglenker seiner Verantwortung für mitfahrende Kinder bei jeder Fahrt aufs Neue bewusst zu sein. Denn die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Verkehrsunfalls ist für ungesicherte Autoinsassen beinahe neun Mal höher als für gesicherte Personen. Damit setzen das KFV und die AUVA bei ihrer diesjährigen Initiative „VISON ZERO 2020“ zur Unfallprävention bei Kindern beim Thema Straßenverkehr gezielt auf die Sensibilisierung unterschätzter Gefahrensituationen, etwa die unzureichende oder falsche Sicherung der Kinder bei niedrigen Fahrgeschwindigkeiten oder auf Kurzstrecken.

Falsches Sicherheitsgefühl bei niedrigem Tempo und Routine

Vielfach führt die falsche Einschätzung von Geschwindigkeiten zur Nachlässigkeit bei der Kindersicherung im Auto, mit verheerenden Folgen. „Bei einem Autounfall mit relativ geringen 50 km/h wirkt auf ein mitfahrendes Kind das 30-fache seines Körpergewichts ein. Das ist mit einem Sturz aus dem 3. Stock zu vergleichen“, veranschaulicht Thann die Gefahr für ungesicherte Kinder im Auto. Neben niedrigen Geschwindigkeiten erkennt die AUVA vor allem auch bei bekannten Fahrtrouten ein falsches Gefahrenbewusstsein bei Erwachsenen. „Hektik am Morgen, Stress, überhöhte Geschwindigkeit sowie vertraute und oft kurze Strecken machen vor allem die tägliche Autofahrt zu Schule oder Kindergarten zu einem stark unterschätzten Risiko. Der Verzicht auf einen Gurt, zu frühes Abschnallen oder Aussteigen an unübersichtlichen Straßen führen Jahr für Jahr zu hunderten Unfällen am Schulweg“, so Römer. Problematisch zeigt sich hier auch das negative Vorbild vieler Erwachsener, die sich oft selber auch nicht angurten: „Nur wenn Eltern ihren Kindern Konsequenz bei der richtigen Sicherung im Auto vorleben, wird der Griff zum Gurt für die nächste Generation zu einer Selbstverständlichkeit.“, appelliert Römer an das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen.

Richtige Kindersicherung: 70 Prozent weniger schwerverletze Kinder seit 1999

Seit 20 Jahren sehen die gesetzlichen Rahmenbedingungen die Sicherung von Kindern mittels passender Rückhalteeinrichtung im Auto vor. Eine Missachtung ist ein Vormerkdelikt und zieht nicht nur bis zu 5.000 Euro Strafe und - im Rahmen des Vormerksystems - den Besuch eines Kindersicherungskurses nach sich, sondern ist vor allem lebensgefährlich, wie Langzeiterhebungen des KFV zeigen. Seit dem Jahr 1999 lässt sich nämlich ein direkter positiver Zusammenhang zwischen dem jährlichen Anstieg der Kindersicherungsquote, von rund 70 Prozent auf heute rund 95 Prozent und dem Rückgang von schweren Verletzungen bei Kindern um insgesamt rund 70 Prozent erkennen. Trotzdem verletzen sich immer noch durchschnittlich drei Kinder pro Tag als Mitfahrer in einem Pkw, drei Kinder verunfallten 2013 tödlich. Kindersitze können keine 100-prozentige Sicherheitsgarantie geben, aber erhöhen die Chance eines Kindes deutlich, einen Unfall ohne schwere Verletzungen oder Folgeschäden zu überstehen. „Auswertungen von Unfallberichten aus den Jahren zwischen 2008 und 2012 zeigen, dass es bei unter 14-Jährigen vor allem im kritischen Schädelbereich (15 Prozent) und bei den sensiblen Halswirbeln (10 Prozent) zu Verletzungen kommt. Dabei kommt es dank der richtigen Kindersicherung am häufigsten zu vergleichsweise leichten Verletzungen wie Prellungen (24 Prozent) oder Knochenbrüchen (18 Prozent)“, so Thann.

Richtiges Kindersitzmodell und fachgerechte Montage für die optimale Schutzfunktion

„Die erfreulichen Trends bei der Kindersicherheit im Straßenverkehr machen deutlich, dass die Information nun vor allem in Richtung optimaler Auswahl, fachgerechter Montage und richtiger Handhabung von Kindersitzen gehen muss“, erklärt Thann. Jedes Modell muss der ECE-Norm entsprechen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Weiters sind alle Modelle in Gewichts- und Altersklassen eingeteilt. Für Babys gelten die Klassen 0 (bis 10 kg/und 0+ (bis 13 kg/15 Monate). Die neue Kindersitznorm ECE R129 schreibt vor, dass Kinder bis 15 Monate gegen die Fahrtrichtung gesichert werden müssen. Modelle für Kleinkinder entsprechen der Klasse I (9-18 kg/) und für ältere Kinder den Klassen II (15-25 kg) und III (22-36 kg). Kinder und Jugendliche über 150 cm Körpergröße oder über 14 Jahre sind mit dem Fahrzeuggurt zu sichern. Bei der Vielzahl an Modellen muss auch bedacht werden, dass nicht jeder Sitz für jedes Auto geeignet ist. KFV und AUVA empfehlen daher, beim Kauf den Sitz im eigenen Auto mit dem Kind unter Realbedingungen zu testen und sich direkt beim Experten zur fachgerechten Montage beraten zu lassen. Denn hier passieren immer noch die häufigsten Fehler bei der Kindersicherung. Optimal ist die Verwendung des ISOFIX-Befestigungssystems, bei dem durch genormte Steckverbindungen der Kindersitz direkt und stabil mit der Fahrzeugkarosserie verbunden ist. Vorsicht gilt bei der Platzierung von allen gegen die Fahrtrichtung montierten Kindersitzen am Beifahrersitz. Hier muss der Beifahrer-Airbag unbedingt deaktiviert sein. Generell sollte vor jeder Fahrt kontrolliert werden, ob der Gurt richtig und fest am Kind sitzt (Jacken und dicke Kleidungsstücke ausziehen) und der Sitz fest und korrekt montiert ist.

Kindersicher im Auto – VISION ZERO 2020

Mit der KFV-Aufprallsimulation setzt das KFV eine weitere Aktion im Rahmen der Initiative „VISION ZERO 2020 – Kein getötetes oder schwerverletztes Kind mehr in Österreich!“. Gemäß dem Motto „Volle Aufmerksamkeit - Null Unfälle!“ sollen mit kreativen Aktionen und gezielten Informationen das Bewusstsein für den Schutz der Kleinsten in Österreich gesteigert und Kinderunfälle durch praktische Präventionsmaßnahmen verhindert werden. „Unfallberichte und statistische Auswertungen zeigen uns im Freizeit- und Verkehrsbereich unterschätzte Gefahrensituationen und problematische Verhaltensweisen auf. Dort wollen wir mit maßgeschneiderten Aufklärungskampagnen entgegenwirken, denn Bewusstsein zu schaffen ist der erste und wichtigste Schritt, um Unfälle zu verhindern“, schließt Thann.